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Kürzlich holte es mich wieder ein.
Das Gefühl, nichts zu können, nichts auf die Reihe zu kriegen – ohne zu sehen, was ich alles schon aufgebaut hatte.
„Im Zweifel liegt Vertrauen“, habe ich gelesen.
Und doch ist es so widersprüchlich, wie es klingt.
Vieles zu können klingt immer toll. Aber ist es das auch?
Manchmal ist der Wunsch in mir gross, einfach mal nur ETWAS zu können. Und das richtig.
Versteh mich nicht falsch. Das heisst nicht, dass das andere nicht „richtig“ ist. Aber irgendwie fühlt es sich manchmal so unfertig an.
Als hätte ich überall angefangen und wäre nirgends angekommen.
Ich sehe Menschen, die seit Jahren dasselbe machen. Die auf die Frage „Was machst Du?“ einen Satz als Antwort haben.
Einen.
Ich könnte wahrscheinlich fünf daraus machen.
Und an manchen Tagen finde ich das grossartig. Dann liebe ich meine Vielseitigkeit. Dass ich mich schnell in Neues einarbeiten kann. Dass mich so vieles interessiert. Dass ich Dinge ausprobieren, aufbauen, wieder verändern und miteinander verbinden kann.
Und an anderen Tagen?
Da beneide ich Menschen um diesen einen Satz.
Weil fünf Antworten plötzlich nicht mehr nach Vielseitigkeit klingen, sondern nach: Kannst Du Dich eigentlich irgendwann mal entscheiden?
Vielleicht kennst Du dieses Gefühl.
Du hast schon einiges gemacht, vielleicht sogar ziemlich viel erreicht – und trotzdem schaust Du auf jemanden, der in
einer Sache richtig gut ist, und denkst:
Siehst Du. So hätte man es machen sollen.
Dranbleiben.
Spezialisieren.
Immer besser werden.
Irgendwann „die Person für …“ sein.
Und ich?
Ich entdecke etwas Neues und mein Kopf sagt:
Oh! Spannend!
Und los geht's. 😅
Neue Idee. Neues Thema. Neues Projekt. Neue Möglichkeiten.
Lange habe ich darin vor allem ein Problem gesehen.
Denn überall hören wir, wie wichtig Fokus ist. Eine klare Positionierung. Ein roter Faden. Du solltest für etwas stehen.
Und dann stehe ich da mit meinem ganzen Strauss an Interessen und frage mich:
Was davon bin denn jetzt ich?
Vielleicht liegt genau da mein Denkfehler.
Vielleicht suche ich nach dieser einen Sache, obwohl es diese eine Sache für mich gar nicht gibt.
Vielleicht ist mein roter Faden nicht das, was ich mache.
Vielleicht ist er die Art, wie ich Dinge mache.
Wie schnell ich Zusammenhänge sehe. Wie sehr ich mich in etwas verbeissen kann, wenn es mich interessiert. Wie gerne ich etwas aufbaue, verbessere oder neu denke. Wie viel Freude ich daran habe, aus einem Durcheinander etwas zu machen, das funktioniert.
Das zeigt sich heute vielleicht in einer Webseite.
Morgen in einem Prozess.
Übermorgen in einer Idee, von der ich heute noch keine Ahnung habe.
Macht mich das unfertig?
Vielleicht.
Aber wer hat eigentlich beschlossen, dass „fertig“ das Ziel sein muss?
Ich weiss noch nicht, ob ich meine Zweifel irgendwann ganz anders sehen werde. Und ich werde Dir hier sicherlich nicht erzählen, dass ich inzwischen gelernt habe, jeden davon liebevoll anzunehmen und morgens mit meinem inneren Kritiker einen Kaffee zu trinken.
So weit sind wir noch nicht. 😉
Aber ich beginne zu verstehen, dass Zweifel nicht automatisch bedeuten, dass etwas falsch läuft.
Manchmal zeigen sie vielleicht nur, dass ich mich gerade wieder mit jemandem vergleiche, dessen Weg überhaupt nicht meiner ist.
Oder dass ich versuche, mich an einem Massstab zu messen, der für Menschen gemacht wurde, die gerne einen geraden Weg gehen.
Meiner war noch nie gerade.....
Und vermutlich wird er es auch nie sein.
Vielleicht werde ich immer wieder Dinge anfangen. Einige davon zu Ende bringen. Andere verwerfen. Mich für etwas begeistern und irgendwann feststellen, dass es doch nicht meins ist.
Und vielleicht ist genau das nicht mein grösstes Problem.
Vielleicht darf ich nur endlich aufhören, all die Dinge, die ich bereits kann, kleinzureden, nur weil sie nicht in einen einzigen Satz passen.
Ob mir das gelingt?
Keine Ahnung.
Frag mich an einem schlechten Tag nochmals. 😅
Aber heute denke ich: Vielleicht kann ich nicht „nichts richtig“.
Vielleicht kann ich einfach mehr als eins.